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07.01.2016 Seine Bäume wachsen ins Jenseits  

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Ueli Sauter, hier mit Hund Kiki im Wald oberhalb von Ermatingen, hat das Bestattungskonzept Friedwald erfunden. (Bild: Reto Martin)


Ueli Sauter aus Mammern hat Elektrotechnik studiert und 20 Jahre lang esoterische Seminare organisiert. Dann hatte er die Idee mit dem Friedwald. Das Geschäft mit der letzten Ruhe unter schattigen Bäumen boomt. Statussymbole interessieren den 75-Jährigen aber nicht.

IDA SANDL

MAMMERN. An ein Leben nach dem Tod glaubt er nicht. Die Frage nach dem Jenseits sei «die langweiligste überhaupt», sagt Ueli Sauter, der Mann, der den Friedwald erfunden hat. «Entweder ist da nichts, dann spielt es keine Rolle mehr. Oder es gibt etwas, dann werden wir es sehen.»

Ueli Sauter ist 75 Jahre alt, ein grosser Mann mit einem leicht schiefen Lachen. Der Schalk blitzt aus seinen Augen. Seit 2000 geht es steil aufwärts mit seiner Firma. Seit der Kanton Thurgau erlaubt, dass die Asche von Toten an speziell dafür vorgesehenen Bäumen vergraben werden darf. Um diese Bewilligung hat Sauter sieben Jahre gekämpft. Finanziell ging es ihm in dieser Zeit nicht gut. Seine Treuhänderin riet ihm, er solle sich doch eine Arbeit im Service suchen. Ueli Sauter lacht, wenn er die Geschichte erzählt. Er selbst hat nie an seiner Idee gezweifelt.

In St. Gallen boomt es nicht

Der Geistesblitz traf ihn in der Kreuzlinger Sauna. «Ich habe gerade den Friedhof neu erfunden», verkündete er ganz unbescheiden seinen Kollegen. Die lachten nur. Zu Hause sagte er zu seiner Frau: «Wir werden einmal viel Geld verdienen.» «Haha», sagte sie.

70 Standorte für seine Friedwälder hat Sauter mittlerweile im ganzen Land unter Vertrag. Auf der Schweiz-Karte in seinem Büro zeigen Stecknadeln die Orte an. Die Nadeln drängen sich dicht im Thurgau, in Zürich, Luzern, Aarau, Bern. Graubünden und St. Gallen sind fast nadelfrei. Warum? «Es hat sich nicht ergeben», sagt Sauter. Er ist zwar immer auf der Suche nach neuen Friedwäldern, aber er drängt sich nicht in den Markt. Es gefällt ihm, dass seine Idee so gut ankommt und dass er damit schön Geld verdient. Trotzdem steht für ihn fest: «Wir müssen nicht um jeden Preis wachsen.»

Sogar in Südkorea gibt es sie

Ziemlich am Anfang hat Sauter seine Idee nach Deutschland verkauft, genaugenommen an Petra Bach. Sie ist mittlerweile die Marktführerin in Sachen Baumbestattung in Deutschland und beschäftigt etwa 100 Angestellte. Mehr als 200 000 Menschen haben sich in Deutschland bereits die ewige Ruhe unter einem Baum gesichert. Was ihm Petra Bach damals für die Friedwald-Lizenz bezahlt hat, verrät Ueli Sauter nicht. Er schweigt und schmunzelt.

Sogar in Südkorea gibt es Friedwälder. Die Praktikanten, die in Deutschland waren, um das Aufforsten zu lernen, haben die Idee mit nach Hause gebracht. Ueli Sauter und sein damaliger Geschäftspartner wurden von der Universität Korea eingeladen. Sauter holt ein Fotobuch aus dem Regal. «Wir waren sogar im Fernsehen.» Er hat den Südkoreanern seine Friedwald-Idee geschenkt.

Der Schweizer Hauptsitz der Friedwald GmbH liegt in einer Sackgasse in Mammern. Ein unauffälliges Gebäude. Darin ein grosser Raum, drei Computer, ein paar Stühle, Regale, ein Korb für Hund Kiki. Sabine Weber, die Sekretärin, wuselt zwischen Schreibtisch und Ablageregal hin und her. Sie und Sauter sind ein eingespieltes Team. Beide schlagfertig, beide humorvoll. «Wir lachen viel», sagt Sabine Weber. Es käme Ueli Sauter nicht in den Sinn, in ein repräsentativeres Büro zu zügeln. «Das bringt doch nichts.» Einen Tesla hat er sich dieses Jahr geleistet. «Ein Hammer-Auto, der fährt von alleine.»

Der Vater war Steinmetz

Mit Friedhöfen ist Ueli Sauter aufgewachsen. Der Vater war Steinmetz und verkaufte Grabsteine. Sohn Ueli war gerade fünf Jahre alt, als ein Grabstein auf ihn stürzte. Die Verletzungen waren so schwer, dass ihm die Ärzte ein Bein abnehmen wollten. Der Vater wehrte sich: «Entweder der Bub überlebt mit zwei Beinen, oder er stirbt.» Ueli Sauter überlebte. Heute sagt er: «Es war die richtige Entscheidung.» Er studierte Elektrotechnik und baute sein eigenes Geschäft auf. Doch dann passierte etwas, das sein Leben verändern sollte. 1971 kam ein Freund bei einem Zugunglück in Deutschland ums Leben. Ueli Sauter hatte ihm geraten, den Zug statt des Autos zu nehmen, weil das sicherer sei.

Im Nachlass des Verstorbenen fanden sich Modelleisenbahnen in allen Variationen, zum Teil sogar noch eingepackt. Niemand hatte von dieser Leidenschaft des Verstorbenen für Züge gewusst. Das Erlebte liess Sauter nicht mehr los, er meldete sich an zu einem Seminar über Parapsychologie. Dort kam eine Frau auf ihn zu, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie sagte: «Ich sehe um dich herum lauter Züge.»

Der mit den kritischen Fragen

Ueli Sauter verkaufte seine Firma. «Man kann nicht immer das gleiche machen», lautet die banale Erklärung für diesen Schritt. Die anderen Gründe, die es sicher auch noch gab, behält er für sich. Zwanzig Jahre lang organisierte er Esoterikseminare. Sein Spezialgebiet war die Astrologie. «Bringt überhaupt nichts», sagt er heute. Schon damals sei er der Skeptiker gewesen inmitten von «G'spürigen». Der mit den kritischen Fragen. «Es war eine schöne Zeit.» Er habe interessante Menschen getroffen. Abends, wenn der offizielle Teil zu Ende war, legte er Platten auf.

Den Baum schon ausgesucht

Dann starb ein Freund. Ein Hellseher, der in England lebte und dessen Wunsch es war, dass seine Asche in Schweizer Erde ruhen sollte. Ueli Sauter sollte sich darum kümmern. Da stand er nun mit einer Urne und hirnte darüber nach, was er damit machen sollte. Bis zu jenem Nachmittag in der Sauna.

Den Baum, wo seine eigene Asche vergraben werden soll, hat Ueli Sauter schon ausgesucht. Es ist eine Birke, und sie steht in seinem Wald in Mammern. Hier liegt auch die Asche des Sohnes, der vor 17 Jahren an einem Herzstillstand starb. Warum eine Birke? Ueli Sauter zieht die Schultern hoch: «Warum nicht?»


Quelle: thurgauerzeitung.ch


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